Gottesdienst am Sonntag Jubilate - 25. April 2021

Diakon Günter Neidhardt
Bildrechte: W. Fritze


Predigt:

Diakon Günter Neidhardt

"Gott hat die Welt geschaffen und ist der Herr über Himmel und Erde"

Predigttext als Predigterzählung: Apostelgeschichte 17,22-34

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gott und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

„Jetzt komm, Damaris, beeil‘ dich doch Mal. Ich glaube, es geht gleich los. Meine Kollegen vom Rat sind schon da. Und die Zuschauer haben sich auch schon versammelt.“

„Ist ja gut, Dionysius.“

„Na komm, leg Mal einen Zahn zu. Ich kann den Kerl schon sehen."

Und Paulus beginnt zu sprechen:

»Ihr Männer von Athen! Nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr religiöse Leute. Ich bin durch die Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angeschaut. Dabei habe ich auch einen Altar gefunden, auf dem stand:› Für einen unbekannten Gott‹. Das, was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.

„Psst Damaris. Na, da können wir ja gespannt sein. Welcher Gott soll das denn sein? Einer, der noch größer und mächtiger ist als unser Zeus? Ein Gott, der schneller ist als unser Hermes? Also, schneller als das Licht? Das will ich jetzt aber hören, was das für ein Gott ist!“

„Ach, Dionysius, reg‘ dich ab. Der hat doch eigentlich ganz höflich und sympathisch angefangen. Lass ihn doch erstmal reden.“

Und Paulus spricht weiter:

Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was in ihr ist. Er ist der Herr über Himmel und Erde. Er wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand errichtet wurden. Er ist auch nicht darauf angewiesen, von Menschen versorgt zu werden. Er selbst gibt uns ja das Leben, die Luft zum Atmen und alles, was wir zum Leben brauchen.

„Ähm, Damaris, das versteh‘ ich nicht. Ein Gott, der keine Tempel braucht und keine Gaben von uns? Aber, wo sollen wir ihn denn dann verehren? Und mit was sollen wir sein Wohlwollen bekommen, wenn er keine Opfergaben von uns will? Ein Gott, der keine materiellen Dinge von uns erwartet und uns aber gibt, was wir zum Leben brauchen! Das ist doch verrückt!“

„Ich weiß auch nicht, Dionysius. Ich frage mich gerade vor allem, was das heißt, wenn er ‚der Herr über Himmel und Erde‘ ist. Wie soll das denn gehen? Erinnere dich Mal: Früher hat man uns doch erzählt, dass schon alles unter den Göttern aufgeteilt ist: Himmel, Erde, Meer und Unterwelt. Zeus, Poseidon und Hades: Jeder hatte seinen Herrschaftsbereich. Ja, kann denn ein Gott allein für alles zuständig sein? Das ist echt Mal was Neues! Wirklich interessant.“

Und Paulus fährt fort:

Er hat aus einem einzigen Menschen die ganze Menschheit hervorgehen lassen, damit sie die Erde bewohnt. Für jedes Volk hat er festgesetzt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll. Er wollte, dass die Menschen nach ihm suchen – ob sie ihn vielleicht spüren oder entdecken können. Denn keinem von uns ist er fern.

„Dionysius? Guck‘ Mal, die Philosophen da hinten werden ganz nervös und tuscheln. Das müssten die Epikureer sein, oder? Was regen die sich denn so auf?“

„Naja, wundert’s dich? Wenn du selber denkst, dass der Gott sich nicht für die Menschen interessiert. Und wenn du dir nicht vorstellen kannst, dass ein Gott irgendwas auf der Erde bewirkt, dann musst du wohl so reagieren. Einen Gott suchen, spüren und entdecken – das ist aber auch ein gewagter Gedanke.“

„Also, ich finde es nicht gewagt, sondern erstaunlich, dass dieser Gott so anders sein soll. Dass ein Gott den Menschen so nah ist, das habe ich so auch noch nie gehört.“

Paulus redet weiter:

Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben wir unser Dasein. Oder wie es einige eurer Dichter gesagt haben:› Wir sind sogar von seiner Art. Weil wir Menschen also von Gottes Art sind, dürfen wir uns nicht täuschen: Die Gottheit gleicht keineswegs irgendwelchen Gebilden aus Gold, Silber oder Stein. Die sind nur das Ergebnis menschlichen Könnens und menschlicher Vorstellungskraft.

„Psst, Damaris! Hat der gerade unsere schönen Tempel und Götterstatuen in der Stadt beleidigt? Oder hat er die Leute beleidigt, die die Statuen gebaut haben?“

„Nein, Dionysius, ich glaube, keins von beidem. Wenn ich ihn richtig verstehe, will er was anderes sagen. Und der meint das ganz positiv. Denn er hat doch gesagt, dass wir Menschen von Gottes Art sind. Und wenn das so ist, dann macht das eben keinen Sinn, den Gott irgendwie nachzubauen. Denn die Statuen sind nicht so wie der Gott, nicht von seiner Art. Die sind ja nur Stein. Sondern wir Menschen sind von seiner Art. Wir kommen selbst von dem Gott. Stell‘ dir das doch Mal vor!“

„Also, Damaris, wenn das stimmen sollte, wäre das ja wirklich außergewöhnlich und so neu. Den Gedanken muss ich erstmal verdauen.“

Paulus fährt fort und kommt allmählich zum Ende seiner Rede:

Nun – Gott sieht nachsichtig über die Zeiten hinweg, in denen die Menschen ihn nicht gekannt haben. Aber jetzt fordert er die Menschen auf – alle und überall –, ihr Leben zu ändern. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er über die ganze Welt ein gerechtes Gericht halten wird. Und zwar durch den Mann, den er dazu bestimmt hat. Dass dieser Mann wirklich dafür bestimmt ist, hat Gott allen Menschen durch seine Auferweckung vom Tod bewiesen.«

„Also, Dionysius, jetzt wird es langsam echt merkwürdig. Wie soll denn jemand vom Tod aufgeweckt werden? Das kann nicht sein. Der Mann, von dem er redet, der war bestimmt nicht wirklich tot. Vielleicht scheintot. Aber mehr nicht… oder kann der Gott das wirklich?“

„Damaris, ich hänge gerade noch an dem anderen Gedanken: Dass alle Menschen und überall ihr Leben ändern sollen. Ja, was genau sollen wir denn ändern? Was soll ich denn bei mir ändern? Ach, schau Mal, die Epikureer dahinten werden schon wieder ganz unruhig. Die hat er jetzt echt auf dem falschen Fuß erwischt.“

„Schon wieder? Dionysius? Was haben die denn für ein Problem?“

„Naja, Damaris, für die ist doch nur das Leben im Hier und Jetzt wichtig. Die wollen ein schönes Leben mit Genuss und Glückseligkeit. Ein Gericht und ein Leben nach dem Tod? Das geht für die gar nicht. Und ehrlich gesagt, kann ich mir das auch nur schwer vorstellen. …Auf der anderen Seite: Was ist, wenn da doch was dran ist?“

„Mh. Da muss ich drüber nachdenken, Dionysius… Sag Mal, wie war doch gleich der Name von dem Mann, den der Gott aufgeweckt hat? Das hab‘ ich gerade nicht mitbekommen. Da war ich wohl abgelenkt.“

„Den Namen hat er gar nicht erwähnt, Damaris. Aber das muss ja jemand ganz Besonderes sein… Ach, komm! Lass‘ uns doch gleich nochmal zu unserem Redner gehen und nachfragen. Den Namen verrät er uns bestimmt.“

Paulus hat seine Rede beendet. Und die Apostelgeschichte erzählt uns, wie es weiterging:

Als die Leute Paulus von der Auferweckung vom Tod reden hörten, lachten einige ihn aus.
Aber andere sagten: »Darüber wollen wir ein andermal mehr von dir hören!«
So verließ Paulus die Versammlung.
Einige Leute schlossen sich ihm an und kamen zum Glauben.
Unter ihnen waren auch Dionysius aus dem Areopag, eine Frau namens Damaris und noch einige andere.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Diakon Günter Neidhardt

(nach einer Anregung aus dem Zentrum für Verkündigung der Evang. Kirche Hessen-Nassau)