Gottesdienste am Buß- und Bettag, Mittwoch - 19. 11. 2014

St. Johannis, SWZ AWO

Predigt:
Diakon Günter Neidhardt

"Enge Pforte -
verschlossene Tür"

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wir wollen in der Stille um Gottes Segen für sein Wort bitten.

Amen

Liebe Gemeinde,

das Wort „Buße“ hat es schwer. Wir verbinden Belastendes damit, Drückendes, Schweres, ja Schuld und Sühne. Alles keine positiven Begriffe in unserem Land, in unserer Sprache. Allerorts werden Begriffe mit vermeintlich negativen Assoziationen gemieden.

Statt Problem sagt man Herausforderung. Statt Entlassung sagt man lieber Freisetzung, statt schlecht heißt es subopitmal…..

Der Begriff Buße ist höchstens noch gebräuchlich beim Bußgeld, oder wenn jemand eine Strafe verbüßen muss. Nein, Buße auch schon den Begriff Buße mögen wir nicht so.

Vielleicht war das ja auch mit ein Grund (neben der Finanzierung der Pflegeversicherung), warum man den Buß- und Bettag vor 19 Jahren  aus dem offiziellen Feiertagskalender in Bayern strich. Zumindest ist es einfacher einen vermeintlich negativ besetzten Feiertag zu streichen, als einen Jubel-Trubel Festtag.

Dabei ist das Wort Buße ein urevangelisches Wort, das wie kein anderes den Inhalt des Evangeliums zum Ausdruck bringt. Der Kern der Botschaft Jesu lautet: Das Reich Gottes ist nahe. DESHALB: Tut Buße, kehrt um, glaubt an das Evangelium.

DESHALB, weil das Reich Gottes nahe ist, gilt es umzukehren. Buße und übersetzt heißt das ja: Umkehr, Neuorientierung, Neuausrichtung. Buße ist kein Selbstzweck. Es geht um das Reich Gottes.

Sicher, Umkehr hat manchmal auch eine unangenehme Seite, wer gesteht schon gerne Fehler ein, wer gibt schon gerne zu, dass man in eine Sackgasse geraten ist.

Allerdings, es hat auch seine gute Seite: Ich komme aus der Sackgase heraus. Kann  Altes hinter mir lassen, wieder nach vorne schauen.

Unsere Kirche wirbt mit einem, wie ich finde geglückten, Plakat für den Buß- und Bettag 2014.

Da erkennt man das Sackgassenschild. Aber der rote Balken, das Ende des Weges, wird durchbrochen, verlängert. Ein Kreuz entsteht und der Satz „Da kommt noch was“ , macht bildlich deutlich: Durch Jesus müssen wir nicht in der Sackgasse stecken bleiben, kann Schuld überwunden werden.

Ihr Lieben, das wäre jetzt schon mal eine schöne, positive Bußtagspredigt.

Dem Trend folgend, auch ehr negatives, freundlich und positiv zu verpacken.

Wenn da nicht der heutige Predigttext quer käme.

Der Predigtext steht im Lukasevangelium, (13,22 -30) und lautet so:

Von der engen Pforte und der verschlossenen Tür

22 Und er ging durch Städte und Dörfer und lehrte und nahm seinen Weg nach Jerusalem.

23 Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst du, dass nur wenige selig werden? Er aber sprach zu ihnen:

24 Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, wie sie hineinkommen, und werden's nicht können.

25 Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat und ihr anfangt, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns auf!, dann wird er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her?

26 Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken und auf unsern Straßen hast du gelehrt.

27 Und er wird zu euch sagen: Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her? Weicht alle von mir, ihr Übeltäter!

28 Da wird Heulen und Zähneklappern sein, wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen.

29 Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

30 Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.

Liebe Gemeinde,

gerade habe ich noch über das Positive der Buße, das befreiende der Umkehr nachgedacht und dann so ein Bibeltext. Von Heulen und Zähneklappern ist die Rede, im Mittelpunkt steht gar die Drohung ausgeschlossen zu sein. Da besteht ein erhebliches Restrisiko, nicht gerettet zu werden. Durch ein enges Tor gilt es sich zu kämpfen, um ins Reich Gottes zu gelangen. Das geht möglicherweise nicht ohne Schrammen ab.

Alles in allem kein Bibelwort, das Glücksgefühle auslöst. Da ist nichts positiv umformuliert.

Und ja, so wie man heute ehr vermeidet allzu negative Aussagen zu treffen gab es ja auch eine Zeit in der Kirche, in der den Gläubigen derartige Drohungen vom Heulen und Zähneknirschtexte um die Ohren gehauen wurden. Wenn du nicht…..

Liebe Gemeinde, das war auch Unfug.

Schauen wir ein bisschen genauer hin. Es ist interessant, dass einigen / vielen bedeutsamen Worten Jesu eine Frage vorausgeht: Da fragt einer: Wer ist eigentlich mein Nächster? Und Jesus erzählt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Ein anderer fragt: Was muss ich tun um in den Himmel zu gelangen? Und Jesus erzählt vom reichen Kornbauer und davon, dass es nicht darauf ankommt hier auf Erden Schätze zu sammeln.

Das ist schon mal gut. Wir dürfen Fragen bei Gott loswerden, ja sollen es sogar. Auch bei Bibeltexten. Es gibt kein Denkverbot.

So fragt also einer Jesu: Werden wir alle selig? Kommen wir alle in den Himmel. Das ist eine gute Frage, eine berechtigte Frage. Bestimmt von ernster Sorge getrieben. Sehr legitim. Eine fromme Frage über die sich Jesus freut.

Natürlich könnte in so einer Frage auch ein bisschen ein unfrommer Kern stecken, ein wenig elitär, gar arrogant könnte es verstanden werden. Vielleicht sähe es der Fragesteller ganz gerne, dass nur wenig auserwählt werden und er selbstverständlich dazu gehört.

(Es gibt Religionsgemeinschaften die propagieren, dass nur eine ganz bestimmte Anzahl von Menschen zu den Auserwählten gehören).

Nun, Jesus widerspricht diesem arroganten Ansinnen, er spricht davon dass viele ins Reich Gottes gelangen werden, aus allen Himmelsrichtungen kommen sie. Das werden nicht wenige sein. Und:

Auch das ist klar: Jesus möchte, das viele /ja möglichst alle den Weg ins Himmelreich, ins Reich Gottes finden.

Dennoch sagt er auch: Es werde viele danach trachten wie sie hineinzukommen, aber sie werden es nicht können. Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte eingeht, so sagt er. Und das ist dann eine individuelle Frage, an jeden Einzelnen, an jeden Einzelnen von uns.

Ob die anderen Menschen, um mich herum auch selig werden ist eine wichtige Frage. Sie lenkt aber ab, von der entscheidenden Frage ob ich selbst dazu gehöre, ob ich selbst selig werde, wie es im Text ausgedrückt ist.

Und: Es gibt ein zu spät. Es gibt diesen Punkt an dem man erkennen muss: Alles / vieles von dem was ich mir vorgenommen habe habe ich nicht geschafft. Ich bin gescheitert.

Ihr Lieben, das ist harter Tobak. ABER: Auch wenn es ein bisschen schwerfällt, hinter den harten Worten Jesu die frohmachende Botschaft, das Evangelium heraus zu hören. Und das ist es ja, was wir zu verkündigen haben. Das Evangelium ist da, auch in dem vermeintlich unversöhnlichen Text.

Die frohe Botschaft, das Evangelium, die Gute Nachricht heißt: Gottes Tür ist offen. Wir sind alle eingeladen, niemand muss (!) draußen bleiben. Alle sind eingeladen und Jesus Christus selbst ist die Tür. „Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich hineingeht, wird selig werden“.

Die Tür ist offen! Für alle.

In der Predigt am vergangen Sonntag habe ich, zu einer ähnlichen Thematik gesagt (ich zitiere mich selbst):

„Und dann und darum verweist uns Paulus weiter auf den Richterstuhl Gottes, vor dem wir uns einst verantworten müssen. Es geht dabei aber nicht, ganz sicher nicht, um eine Aufzählung und Abwägung unsere guten Werke. Nein getrost sein, zuversichtlich sein heißt: Wer aus der Kraft des  Glaubens lebt, will Gott gefallen, nicht um ihn gnädig zu stimmen, sondern um ihm die Ehre zu geben.  Es ist eine Ehre für uns, vor seinen Richterstuhl treten zu dürfen. Es ist ein Zeichen seiner Güte, dass er uns beachtet in dem was wir tun oder lassen. „

Das ist das  Evangelium.  Wir alle sind eingeladen, einzugehen in das Reich Gottes und wir alle sind eingeladen, Gott die Ehre zu erweisen. Ihn zu ehren, indem wir uns auf den schmalen Weg und die enge Pforte einlassen.

Der erste Schritt hinein, durch die schmale Pforte, hinein ins Reich Gottes  ist die Größe Gottes anzuerkennen. Nur wer klein sein kann, kann diese Größe erkennen.

ES gibt in Halle an der Saale eine kleine romanische Kirche, die eine Besonderheit aufweist. Die Kirchentür ist tatsächlich so schmal,  dass der eine oder andere, wohlgenährte Europäer Schwierigkeiten hat, ganz normal durchzukommen. Man muss sich durchquetschen. Unmöglich wird der Eintritt, wenn man auch noch einen Rucksack aufbehält.

Man muss ihn  vorher ablegen.

Ich denke das ist ein schönes Bild für das Evangelium des heutigen Tages, des Buß- und Bettags.

Jesus hält die Tür offen, für alle. Nur, wir werden nicht durch die Tür passen, wenn wir nicht  vorher unsere Lasten ablegen, das bei Seite legen, was wir mit uns herumschleppen, das uns abschnürt: Unsere Schuld.

Der Buß- und Bettag ist dazu eine gute Gelegenheit. Eine Gelegenheit all das vor Gott zu bringen, was uns auf der Seele liegt. Und dann ganz bewusst auszusprechen: Gott sei mir Sünder gnädig.

So ist unser Lebensweg keine Sackgasse!  Denn Gott ebnet uns den Weg, er ermöglicht es uns, durch die schmale Pforte zu gehen, weil wir all unseren Ballast bei Ihm abladen können.

Ballast, das meint nicht nur persönliche Schuld und Versagen, Ballast, das ist auch Selbstüberschätzung, Einbildung. Illustriert wird das durch eine schöne Tradition, die im Mittelalter Brauch war:

Wenn die Leiche eines Kaisers zur Aufbewahrung in die Kirche getragen wurde, so war die Kirchentür verschlossen. Der Hofmarschall klopfte an und begehrte Einlass, in dem er den Namen des verstorbenen Kaisers nannte. Aus dem Inneren antwortete eine Stimme: „Ich kenne dich nicht“. Ein weiteres Mal klopfte der Hofmarschall an die Tür, begehrte Einlass und zählte alle die Titel und Ehrentitel des Kaisers auf. Aber es kam erneut dieselbe Antwort: „Ich kenne dich nicht“. Dann wurde ein drittes Mal geklopft und um Einlass für einen armen Sünder gebeten. Nun erst öffnete sich die Kirchentür und der kaiserliche Tote wurde zum Einzug in die Kirche begrüßt:

„Du armer Sünder, zieh ein in das Reich des Herren.“

Das Geheimnis, das Evangelium das uns durch die schmale Pforte führt heißt: Unsere Schuld erkennen und bereuen. Den Ballast abwerfen, abgeben, abgeben bei Jesus Christus.

In der etwas altmodischen Begrifflichkeit heißt das beichten, Buße tun.

In neuerer Übersetzung: Umkehr, Neuausrichtung, Neuorientierung.

Wie wichtig ist doch der Buß- und Bettag.

AMEN

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